10. Rajasthan-Backpacker-Bericht
Hallo und Herzlich Willkommen zu meinem Rajasthan-Backpacker-Bericht
Von unserer Schule haben wir sehr kurzfristig erfahren, dass wir vom 19.09. bis 30.09 frei haben. Also haben wir unseren Reiseführer zu Rate gezogen und haben beschlossen die 1 ½ Wochen in Rajasthan zu verbringen. Rajasthan ist einer der größten Staaten in Indien. Der Staat ist was Fläche und Einwohnerzahl angeht in etwa mit Deutschland zu vergleichen. Wir haben die Strecke Jaiphur (Hauptstadt von Rajasthan), Pushkar, Ajmer, Jodhpur, Jaiselmair gewählt. Die Strecke ist etwa zu vergleichen mit Berlin, Hannover, Frankfurt, Stuttgart München. Auf der Hinfahrt haben wir die öffentlichen Intercitybusse verwendet. Die sind zwar nicht komfortabel aber billig. Damit sind wir dann von Station zu Station getourt. So nah an Deutschland werde ich wohl vermutlich bis Ende Mai nicht mehr sein, denn Jaiselmair liegt im Westen von Indien nicht weit von der pakistanischen Grenze entfernt. Zurück haben wir den Zug von Jaiselmair nach Delhi genommen der etwas mehr als 18 Stunden gebraucht hat. Aber jetzt genug zur Vorgeschichte. Ihr wollt ja bestimmt Geschichten zu den vielen Bildern hören. Wir haben in dieser Zeit unglaublich viel erlebt daher werde ich vermutlich nicht alles ausführlich hier erzählen können. Auch die Bilder stellen lediglich 1/6 der gemachten Bilder da.
Jaiphur
Angefangen hat unsere Reise an dem riesigen Busbahnhof von Delhi. Sich hier zurecht zu finden ist echt nicht so leicht. Ein Freund von uns wohnt aber nicht weit vom Busbahnhof entfernt und so war es kein Problem den richtigen Bus und die Abfahrtszeit herauszufinden. Losgefahren sind wir letztendlich um 23 Uhr, um nach einer anstrengenden Nacht, in einem viel zu engen Bus, um 4:30 Uhr in Jaiphur anzukommen. Jetzt hieß es erstmal sich orientieren und eine Unterkunft zu finden. Der Reiseführer von Maxi enthält Tipps für sehr schöne und preiswerte Unterkünfte. Wir haben uns die günstigsten Unterkünfte herausgesucht und hatten gleich mal ein Zimmer mit Gefängniszellencharakter, aber zum Glück sind wir ja anspruchslos. Nach einem kleinen Vormittagsschläfchen ging es dann los, die Stadt zu erkunden. Zur Stärkung für den Weg haben wir uns einen Lassi gegönnt. Jaiphur ist dafür berühmt. Lassi ist ein echt leckeres Getränk, es ist ähnlich der Buttermilch. Nach diversen Sehenswürdigkeiten sind wir noch durch den eigentlichen Stadtkern geschlendert um einen angepriesenen Elefantenmarkt zu sehen. Leider vergeblich. Dafür wurden wir mal wieder wie Außerirdische behandelt. Alle wollten Fotos von sich haben, wir mussten unzählige Male unsere Namen sagen und wo wir herkommen, und tausende Hände schütteln. In diese Gegend von Jaiphur verschlägt es wohl nur sehr wenige Touristen. Auf jeden Fall haben wir auf unseren Irrwegen durch die Stadt einen sehr netten Inder namens Manuu kennen gelernt. Er ist etwas jünger als ich. Wir haben uns nett mit ihm unterhalten und dann hat er uns schließlich nach Hause eingeladen. Da wir es eh nicht eilig hatten haben wir das Angebot natürlich gerne angenommen. Wir haben mit Manuu und seinen Freunden Tee getrunken und sie haben uns einen Ausblick auf Jaiphur von ihrer Dachterrasse gegönnte. Bevor die Sonne unter ging haben wir uns noch auf den Weg zum Surya-Tempel (dem Affen-Tempel) gemacht (das wieder zu zweit). Dafür mussten wir über einen kleinen Berg wandern von dem man zunächst eine wunderbare Aussicht auf die Stadt hatte. Auf der anderen Seit ging es in ein scheinbar verlassenes Tal hinab. Es war aber nur scheinbar verlassen, denn es wurde von tausenden von Affen bevölkert. Das Tempelareal macht daher seinem Namen „Affen-Tempel“ alle Ehre. Es war dort wirklich wunderschön! Ich hoffe die Bilder können einen Eindruck dessen vermitteln. Am nächsten Tag war das Ende des Ramadan des ismailschen Fastenmonats. Da unser neuer Freund Moslem ist, wurden wir natürlich zu den Feierlichkeiten eingeladen. Wir hatten jede Menge Spaß, haben mit ihnen gegessen und gequatscht. Es war wirklich eine nette Atmosphäre in der ganzen Stadt. Jeder auch noch so Fremde wurde umarmt. An diesem Tag durfte ich eine sehr schöne Seite des Islam kennenlernen. Später wurden wir noch von Manuu und Kahn (einem seiner Freunde) mitgenommen zu einer Textilfabrik in Jaiphur. Hier gib es nach ihren Angaben sehr günstige Textilien aller Art und davon nicht genug, ein Teil der Erlöse geht an SOS-Kinderdörfer. Also eine richtig feine Sache. Wir haben schließlich dort einige Sachen eingekauft. Gegen 17 Uhr saßen wir aber schon wieder im Bus Richtung Pushkar, dem zweiten Ziel unsere Reise.
Pushkar
Pushkar ist nicht nur für indische Verhältnisse eine kleine Stadt. Dafür ist sie für Hindus umso heiliger. Ähnlich wie auch Rishikesh ist Pushkar ein Pilgerziel für Hindus. Nach der hinduistischen Mythologie gibt es drei Hauptgötter: Brahma (Schöpfung), Vishnu (Bewahrung) und Shiva (Zerstörung), sie bilden die Trimurti. Pushkar ist für Brahma der wichtigste Ort überhaupt denn: Brahma hatte eine Frau. Nun musste der Gute ein Ritual vollziehen wofür er seine Frau brauchte, die jedoch leider nicht da war. Also nahm sich Brahma eine andere Frau, was seine erste Frau natürlich spitz kriegte und ihn daraufhin mit einem Fluch belegte. Seit dem darf Braham nur in Pushkar verehrt werden und nirgendwo anderes auf der Welt. Die beiden Berge auf denen wir einmal den Sonnenaufgang und dann den Sonnenuntergang gesehen haben sind jeweils den beiden Frauen gewidmet. Das heilige Zentrum von Puskhar stellt ein See dar, der jedoch leider ausgetrocknet ist. Manche behaupten es gäbe natürliche Ursachen andere sagen er ist trockengelegt worden um ihn auszuheben (was ich mehr glaube). Wir haben in Pushkar ein sehr nettes Hotel gefunden in dem wir 2 Nächte verbracht haben. Hier haben wir auch zwei Schwestern aus Israel getroffen, beide so um die 30. Eine von beiden reist schon seit vielen Jahren durch die Welt. Insgesamt sehr nette und interessante Leute mit denen wir uns abends noch lange unterhalten haben.
Als wir in Pushkar durch die Stadt geschlendert sind haben wir zufällig ein Betttuch an einem Marktstand gesehen, es war genau so eins wie es Maxi in dem Textilladen in Jaiphur gekauft hat. Hier war es nur ca. 30 % billiger. Wir haben uns daher sehr verarscht gefühlt. Vor allem von Manuu und Kahn, die ja behauptet hatten es wäre der billigste Laden überhaupt. Wir haben uns weniger wegen des Geldes verarscht gefühlt, was in Euro nicht so wahnsinnig viel ist, viel mehr wegen des missbrauchten Vertrauens.
Diesen Samstag sind wir bei ihnen in Jaiphur auf eine islamische Hochzeit eingeladen aber wir verspüren kein großes Interesse da jetzt hinzugehen. Auf jeden Fall hat das mein Vertrauen etwas erschüttert. Ich bin es ja gewohnt hier ständig übers Ohr gehauen zu werden aber ich hätte es einfach nicht von diesen Leuten erwartet.
Na ja „so ist halt das Leben mal bist du der Baum mal bist du der Hund“.
Auf dem Weg zum Tempel um den Sonnenuntergang zu sehen haben wir wieder einen Inder kennen gelernt Jai. Trotz einer etwas abweisenden Art unsererseits hat er sich nett mit uns unterhalten, hat Fotos gemacht und uns anschließend per Mail geschickt. Einess davon könnt ihr hier sehen.

Der Abend auf diesem Berg war einer der schönsten auf unserer Reise, wie ich finde. Es war alles so schön friedlich, es waren nette Leute da (auch eine Israelische Familie mit der ich mich über die Israelische Armee unterhalten habe) es gab bequeme Stühle und es wurde entspannende Musik abgespielt. Viel schöner kann es eigentlich gar nicht sein.
Am nächsten Morgen sind wir von dem supertollen Busbahnhof (kann man auf den Bildern bei Picasa sehen) abgefahren und kamen 30 min später in dem nahe gelegenen Ajmer an.
Ajmer
Ajmer hat uns im Großen und Ganzen gar nicht so sehr gefallen. Wir haben dort auch gar nicht übernachtet sondern sind noch am selben Tag abends um 22 Uhr weiter nach Jodpur gefahren. Ajmer ist eine große Stadt. Sie war laut und voll und hat gestunken. Das Schlimmste war jedoch: wir sind egal wo wir hin wollten immer wieder an einer Mosche rausgekommen vor deren Eingang man sich nur durch die Menschenmassen schieben konnte. Nach einer sehr enttäuschenden Museumsbesichtigung einer Bootsfahrt auf einem grünen See und ewigen planlosen durch die Stadt Gelaufe, haben wir am Ende des Tages einen kleinen Berg bestiegen von wo aus man eine tolle Sicht auf die Stadt hatte. Um 22 Uhr ging es mit dem Bus weiter nach Jodhpur.
Jodhpur
Gegen 2:30 Uhr in der Nacht sind wir in einer menschenleeren Stadt angekommen. Die Straßen wurden von tausenden streunender Hunde beherrscht. Um 2:30 Uhr ist es leider meist schwer ein Zimmer zu bekommen, daher haben wir uns auf den Weg zum Mehrangarh Fort gemacht, wo wir auf den Mauern hoch über der Stadt auf den Morgen gewartet haben. Nachdem wir dann gegen 5:30 Uhr unser Zimmer hatten haben wir erst mal wieder ein paar Stündchen geschlafen. Jodhpur hat mir echt gut gefallen es gibt viel zu sehen, wie man auch auf den Bilder erkennen kann. Nach dem Sightseeing haben wir auf dem Dach unsere Unterkunft gemütlich mit einem englischen Pärchen und einer allein reisenden Engländerin zu Abend gegessen. Mit der Engländerin haben wir eine Audiotour durch das Fort gemacht und ihr anschließend gezeigt wie sie sich in den kleinen verwinkelten Gassen von Jodhpur zu Recht finden kann. Ich könnte euch jetzt noch Ausführungen zu dem Fort und dem Palast machen die den dominierenden Rahmen für Jodhpur bilden aber ich glaube das spare ich mir jetzt wen es interessiert kann es nachlesen unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Meherangarh und http://de.wikipedia.org/wiki/Umaid_Bhavan.
Ein anderes schönes Erlebnis in Jodhpur war, dass wir bei einem indischen Spiel namens Carrom mitmachen durften, das einige Leute am Straßenrand spielten. Das ganze ist ähnlich wie Billard nur mit wesendlich geringern Mitteln. Ich habe mit meinem Partner meinen Reisegefährten Max und seinen Partner zwei Mal geschlagen. (Was zugegebener Maßen nicht nur mein verdienst war). Was noch toll war, wir durften auf den blauen Felsen, der mitten in der Stadt herausragt und auf dessen Spitze ein Tempel ist. Wir hatten da sehr viel Glück, denn normalerweise ist er für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Wir haben nur zufällig den richtigen Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort getroffen. Es ist unglaublich wie vielen Menschen man in Indien im Laufe einer Reise begegnet.
Abends wollten wir dann eigentlich den letzten Zug nach Jaiselmair nehmen, leider haben wir den um wenige Minuten verpasst. Also hieß es: auf zum Bahnhof und hoffen, dass es noch Plätze für den Zug nach Jaiselmair gibt. Was natürlich nicht der Fall war. Wir standen also vor der Wahl noch mal um 23 Uhr eine Unterkunft zu suchen oder am Bahnhof schlafen und mit dem ersten Bus um 5 Uhr morgens losfahren. Wir haben uns für die indische Variante entschieden. Maxi konnte auch zwischen den Indern auf dem Boden des Bahnhofs schlafen mir wollte das aber aus diversen Gründen nicht gelingen. Also schlug ich mir die Zeit irgendwie tot mit Menschen beobachten, Sudoku spielen und rumlaufen.
Jaiselmair
Unsere letzte Station auf der Reise hieß Jaiselmair eine kleine Stadt mitten in der Wüste. Wobei die Wüste eigentlich doch noch etwas weiter im Westen richtig anfängt. Die Hauptattraktion in Jaiselmair ist das Fort in dem Menschen wohnen und in dem man auch als Tourist Unterkünfte bekommen kann. Hoch spannender sind aber die Kamel bzw. Dromedar Safaris durch die Wüste. Wir haben auch so eine mit gemacht 2 Tage durch die Wüste mit einer Übernachtung in den Dünen. Das Essen wurde von unserem Guide zubereitet und war wirklich lecker!!! Was ich an dieser Stelle mal festhalten will: Dromedare sind trotz Sattel nicht die bequemste Form der Fortbewegung. Ich hatte nicht nur am ganzen Körper Muskelkater nein, mein Hintern war auch wund. Vermutlich habe ich irgendwas falsch gemacht, denn den anderen ging es deutlich besser. Die Nacht in der Wüste war recht kalt aber wir hatten nachdem der Mond weg war einen äußerst beeindruckenden Sternenhimmel.
Heimfahrt
Zu Ende ging unsere Reise mit der Zugfahrt zurück nach Delhi. Wie schon geschrieben, über 18 Stunden. Die dritte Klasse haben wir uns doch nicht zugetraut aber die zweite Klasse, die komfortabler ist als jeder Bus, was nicht heißt, dass es super komfortabel ist. Wir hatten sleeperclass, konnten also schlafen. Auf der Strecke haben wir auch einen der wenigen Deutschen in Indien getroffen. Seine sechsmonatige Reise durch Indien ging mit der Zugfahrt auch zu Ende. Er hatte tolle Geschichten über Treckingtouren durch den Himalaja zu erzählen.
Und damit Endet meine Erzählung über dein Rajasthan Trip. Ich hoffe es war nicht zu viel. Es war einfach so unglaublich, was wir in der kurzen Zeit erlebt haben, dass man es in einer solchen Form kaum wiedergeben kann. Aber vielleicht habt ihr ja eine Idee bekommen und ich habe die Lust am Backpacken geweckt ;)
Viele Grüße aus Indien
Von unserer Schule haben wir sehr kurzfristig erfahren, dass wir vom 19.09. bis 30.09 frei haben. Also haben wir unseren Reiseführer zu Rate gezogen und haben beschlossen die 1 ½ Wochen in Rajasthan zu verbringen. Rajasthan ist einer der größten Staaten in Indien. Der Staat ist was Fläche und Einwohnerzahl angeht in etwa mit Deutschland zu vergleichen. Wir haben die Strecke Jaiphur (Hauptstadt von Rajasthan), Pushkar, Ajmer, Jodhpur, Jaiselmair gewählt. Die Strecke ist etwa zu vergleichen mit Berlin, Hannover, Frankfurt, Stuttgart München. Auf der Hinfahrt haben wir die öffentlichen Intercitybusse verwendet. Die sind zwar nicht komfortabel aber billig. Damit sind wir dann von Station zu Station getourt. So nah an Deutschland werde ich wohl vermutlich bis Ende Mai nicht mehr sein, denn Jaiselmair liegt im Westen von Indien nicht weit von der pakistanischen Grenze entfernt. Zurück haben wir den Zug von Jaiselmair nach Delhi genommen der etwas mehr als 18 Stunden gebraucht hat. Aber jetzt genug zur Vorgeschichte. Ihr wollt ja bestimmt Geschichten zu den vielen Bildern hören. Wir haben in dieser Zeit unglaublich viel erlebt daher werde ich vermutlich nicht alles ausführlich hier erzählen können. Auch die Bilder stellen lediglich 1/6 der gemachten Bilder da.
Jaiphur
Angefangen hat unsere Reise an dem riesigen Busbahnhof von Delhi. Sich hier zurecht zu finden ist echt nicht so leicht. Ein Freund von uns wohnt aber nicht weit vom Busbahnhof entfernt und so war es kein Problem den richtigen Bus und die Abfahrtszeit herauszufinden. Losgefahren sind wir letztendlich um 23 Uhr, um nach einer anstrengenden Nacht, in einem viel zu engen Bus, um 4:30 Uhr in Jaiphur anzukommen. Jetzt hieß es erstmal sich orientieren und eine Unterkunft zu finden. Der Reiseführer von Maxi enthält Tipps für sehr schöne und preiswerte Unterkünfte. Wir haben uns die günstigsten Unterkünfte herausgesucht und hatten gleich mal ein Zimmer mit Gefängniszellencharakter, aber zum Glück sind wir ja anspruchslos. Nach einem kleinen Vormittagsschläfchen ging es dann los, die Stadt zu erkunden. Zur Stärkung für den Weg haben wir uns einen Lassi gegönnt. Jaiphur ist dafür berühmt. Lassi ist ein echt leckeres Getränk, es ist ähnlich der Buttermilch. Nach diversen Sehenswürdigkeiten sind wir noch durch den eigentlichen Stadtkern geschlendert um einen angepriesenen Elefantenmarkt zu sehen. Leider vergeblich. Dafür wurden wir mal wieder wie Außerirdische behandelt. Alle wollten Fotos von sich haben, wir mussten unzählige Male unsere Namen sagen und wo wir herkommen, und tausende Hände schütteln. In diese Gegend von Jaiphur verschlägt es wohl nur sehr wenige Touristen. Auf jeden Fall haben wir auf unseren Irrwegen durch die Stadt einen sehr netten Inder namens Manuu kennen gelernt. Er ist etwas jünger als ich. Wir haben uns nett mit ihm unterhalten und dann hat er uns schließlich nach Hause eingeladen. Da wir es eh nicht eilig hatten haben wir das Angebot natürlich gerne angenommen. Wir haben mit Manuu und seinen Freunden Tee getrunken und sie haben uns einen Ausblick auf Jaiphur von ihrer Dachterrasse gegönnte. Bevor die Sonne unter ging haben wir uns noch auf den Weg zum Surya-Tempel (dem Affen-Tempel) gemacht (das wieder zu zweit). Dafür mussten wir über einen kleinen Berg wandern von dem man zunächst eine wunderbare Aussicht auf die Stadt hatte. Auf der anderen Seit ging es in ein scheinbar verlassenes Tal hinab. Es war aber nur scheinbar verlassen, denn es wurde von tausenden von Affen bevölkert. Das Tempelareal macht daher seinem Namen „Affen-Tempel“ alle Ehre. Es war dort wirklich wunderschön! Ich hoffe die Bilder können einen Eindruck dessen vermitteln. Am nächsten Tag war das Ende des Ramadan des ismailschen Fastenmonats. Da unser neuer Freund Moslem ist, wurden wir natürlich zu den Feierlichkeiten eingeladen. Wir hatten jede Menge Spaß, haben mit ihnen gegessen und gequatscht. Es war wirklich eine nette Atmosphäre in der ganzen Stadt. Jeder auch noch so Fremde wurde umarmt. An diesem Tag durfte ich eine sehr schöne Seite des Islam kennenlernen. Später wurden wir noch von Manuu und Kahn (einem seiner Freunde) mitgenommen zu einer Textilfabrik in Jaiphur. Hier gib es nach ihren Angaben sehr günstige Textilien aller Art und davon nicht genug, ein Teil der Erlöse geht an SOS-Kinderdörfer. Also eine richtig feine Sache. Wir haben schließlich dort einige Sachen eingekauft. Gegen 17 Uhr saßen wir aber schon wieder im Bus Richtung Pushkar, dem zweiten Ziel unsere Reise.
Pushkar
Pushkar ist nicht nur für indische Verhältnisse eine kleine Stadt. Dafür ist sie für Hindus umso heiliger. Ähnlich wie auch Rishikesh ist Pushkar ein Pilgerziel für Hindus. Nach der hinduistischen Mythologie gibt es drei Hauptgötter: Brahma (Schöpfung), Vishnu (Bewahrung) und Shiva (Zerstörung), sie bilden die Trimurti. Pushkar ist für Brahma der wichtigste Ort überhaupt denn: Brahma hatte eine Frau. Nun musste der Gute ein Ritual vollziehen wofür er seine Frau brauchte, die jedoch leider nicht da war. Also nahm sich Brahma eine andere Frau, was seine erste Frau natürlich spitz kriegte und ihn daraufhin mit einem Fluch belegte. Seit dem darf Braham nur in Pushkar verehrt werden und nirgendwo anderes auf der Welt. Die beiden Berge auf denen wir einmal den Sonnenaufgang und dann den Sonnenuntergang gesehen haben sind jeweils den beiden Frauen gewidmet. Das heilige Zentrum von Puskhar stellt ein See dar, der jedoch leider ausgetrocknet ist. Manche behaupten es gäbe natürliche Ursachen andere sagen er ist trockengelegt worden um ihn auszuheben (was ich mehr glaube). Wir haben in Pushkar ein sehr nettes Hotel gefunden in dem wir 2 Nächte verbracht haben. Hier haben wir auch zwei Schwestern aus Israel getroffen, beide so um die 30. Eine von beiden reist schon seit vielen Jahren durch die Welt. Insgesamt sehr nette und interessante Leute mit denen wir uns abends noch lange unterhalten haben.
Als wir in Pushkar durch die Stadt geschlendert sind haben wir zufällig ein Betttuch an einem Marktstand gesehen, es war genau so eins wie es Maxi in dem Textilladen in Jaiphur gekauft hat. Hier war es nur ca. 30 % billiger. Wir haben uns daher sehr verarscht gefühlt. Vor allem von Manuu und Kahn, die ja behauptet hatten es wäre der billigste Laden überhaupt. Wir haben uns weniger wegen des Geldes verarscht gefühlt, was in Euro nicht so wahnsinnig viel ist, viel mehr wegen des missbrauchten Vertrauens.
Diesen Samstag sind wir bei ihnen in Jaiphur auf eine islamische Hochzeit eingeladen aber wir verspüren kein großes Interesse da jetzt hinzugehen. Auf jeden Fall hat das mein Vertrauen etwas erschüttert. Ich bin es ja gewohnt hier ständig übers Ohr gehauen zu werden aber ich hätte es einfach nicht von diesen Leuten erwartet.
Na ja „so ist halt das Leben mal bist du der Baum mal bist du der Hund“.
Auf dem Weg zum Tempel um den Sonnenuntergang zu sehen haben wir wieder einen Inder kennen gelernt Jai. Trotz einer etwas abweisenden Art unsererseits hat er sich nett mit uns unterhalten, hat Fotos gemacht und uns anschließend per Mail geschickt. Einess davon könnt ihr hier sehen.

Der Abend auf diesem Berg war einer der schönsten auf unserer Reise, wie ich finde. Es war alles so schön friedlich, es waren nette Leute da (auch eine Israelische Familie mit der ich mich über die Israelische Armee unterhalten habe) es gab bequeme Stühle und es wurde entspannende Musik abgespielt. Viel schöner kann es eigentlich gar nicht sein.
Am nächsten Morgen sind wir von dem supertollen Busbahnhof (kann man auf den Bildern bei Picasa sehen) abgefahren und kamen 30 min später in dem nahe gelegenen Ajmer an.
Ajmer
Ajmer hat uns im Großen und Ganzen gar nicht so sehr gefallen. Wir haben dort auch gar nicht übernachtet sondern sind noch am selben Tag abends um 22 Uhr weiter nach Jodpur gefahren. Ajmer ist eine große Stadt. Sie war laut und voll und hat gestunken. Das Schlimmste war jedoch: wir sind egal wo wir hin wollten immer wieder an einer Mosche rausgekommen vor deren Eingang man sich nur durch die Menschenmassen schieben konnte. Nach einer sehr enttäuschenden Museumsbesichtigung einer Bootsfahrt auf einem grünen See und ewigen planlosen durch die Stadt Gelaufe, haben wir am Ende des Tages einen kleinen Berg bestiegen von wo aus man eine tolle Sicht auf die Stadt hatte. Um 22 Uhr ging es mit dem Bus weiter nach Jodhpur.
Jodhpur
Gegen 2:30 Uhr in der Nacht sind wir in einer menschenleeren Stadt angekommen. Die Straßen wurden von tausenden streunender Hunde beherrscht. Um 2:30 Uhr ist es leider meist schwer ein Zimmer zu bekommen, daher haben wir uns auf den Weg zum Mehrangarh Fort gemacht, wo wir auf den Mauern hoch über der Stadt auf den Morgen gewartet haben. Nachdem wir dann gegen 5:30 Uhr unser Zimmer hatten haben wir erst mal wieder ein paar Stündchen geschlafen. Jodhpur hat mir echt gut gefallen es gibt viel zu sehen, wie man auch auf den Bilder erkennen kann. Nach dem Sightseeing haben wir auf dem Dach unsere Unterkunft gemütlich mit einem englischen Pärchen und einer allein reisenden Engländerin zu Abend gegessen. Mit der Engländerin haben wir eine Audiotour durch das Fort gemacht und ihr anschließend gezeigt wie sie sich in den kleinen verwinkelten Gassen von Jodhpur zu Recht finden kann. Ich könnte euch jetzt noch Ausführungen zu dem Fort und dem Palast machen die den dominierenden Rahmen für Jodhpur bilden aber ich glaube das spare ich mir jetzt wen es interessiert kann es nachlesen unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Meherangarh und http://de.wikipedia.org/wiki/Umaid_Bhavan.
Ein anderes schönes Erlebnis in Jodhpur war, dass wir bei einem indischen Spiel namens Carrom mitmachen durften, das einige Leute am Straßenrand spielten. Das ganze ist ähnlich wie Billard nur mit wesendlich geringern Mitteln. Ich habe mit meinem Partner meinen Reisegefährten Max und seinen Partner zwei Mal geschlagen. (Was zugegebener Maßen nicht nur mein verdienst war). Was noch toll war, wir durften auf den blauen Felsen, der mitten in der Stadt herausragt und auf dessen Spitze ein Tempel ist. Wir hatten da sehr viel Glück, denn normalerweise ist er für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Wir haben nur zufällig den richtigen Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort getroffen. Es ist unglaublich wie vielen Menschen man in Indien im Laufe einer Reise begegnet.
Abends wollten wir dann eigentlich den letzten Zug nach Jaiselmair nehmen, leider haben wir den um wenige Minuten verpasst. Also hieß es: auf zum Bahnhof und hoffen, dass es noch Plätze für den Zug nach Jaiselmair gibt. Was natürlich nicht der Fall war. Wir standen also vor der Wahl noch mal um 23 Uhr eine Unterkunft zu suchen oder am Bahnhof schlafen und mit dem ersten Bus um 5 Uhr morgens losfahren. Wir haben uns für die indische Variante entschieden. Maxi konnte auch zwischen den Indern auf dem Boden des Bahnhofs schlafen mir wollte das aber aus diversen Gründen nicht gelingen. Also schlug ich mir die Zeit irgendwie tot mit Menschen beobachten, Sudoku spielen und rumlaufen.
Jaiselmair
Unsere letzte Station auf der Reise hieß Jaiselmair eine kleine Stadt mitten in der Wüste. Wobei die Wüste eigentlich doch noch etwas weiter im Westen richtig anfängt. Die Hauptattraktion in Jaiselmair ist das Fort in dem Menschen wohnen und in dem man auch als Tourist Unterkünfte bekommen kann. Hoch spannender sind aber die Kamel bzw. Dromedar Safaris durch die Wüste. Wir haben auch so eine mit gemacht 2 Tage durch die Wüste mit einer Übernachtung in den Dünen. Das Essen wurde von unserem Guide zubereitet und war wirklich lecker!!! Was ich an dieser Stelle mal festhalten will: Dromedare sind trotz Sattel nicht die bequemste Form der Fortbewegung. Ich hatte nicht nur am ganzen Körper Muskelkater nein, mein Hintern war auch wund. Vermutlich habe ich irgendwas falsch gemacht, denn den anderen ging es deutlich besser. Die Nacht in der Wüste war recht kalt aber wir hatten nachdem der Mond weg war einen äußerst beeindruckenden Sternenhimmel.
Heimfahrt
Zu Ende ging unsere Reise mit der Zugfahrt zurück nach Delhi. Wie schon geschrieben, über 18 Stunden. Die dritte Klasse haben wir uns doch nicht zugetraut aber die zweite Klasse, die komfortabler ist als jeder Bus, was nicht heißt, dass es super komfortabel ist. Wir hatten sleeperclass, konnten also schlafen. Auf der Strecke haben wir auch einen der wenigen Deutschen in Indien getroffen. Seine sechsmonatige Reise durch Indien ging mit der Zugfahrt auch zu Ende. Er hatte tolle Geschichten über Treckingtouren durch den Himalaja zu erzählen.
Und damit Endet meine Erzählung über dein Rajasthan Trip. Ich hoffe es war nicht zu viel. Es war einfach so unglaublich, was wir in der kurzen Zeit erlebt haben, dass man es in einer solchen Form kaum wiedergeben kann. Aber vielleicht habt ihr ja eine Idee bekommen und ich habe die Lust am Backpacken geweckt ;)
Viele Grüße aus Indien
Immanuel_G - 30. Sep, 09:41
