07. Oktober

Dienstag, 27. Oktober 2009

12. Amritsar

Dieses Wochenende haben Maxi und ich einen kurzen Trip nach Amritsar gemacht. Amritsar ist ca. 500 km nördlich von Delhi und ist die Hauptstadt von dem Staat Punjab. Das macht Amritsar aber nicht wirklich interessant. Das interessante an der Stadt ist der „Goldene Tempel“. Er ist für die Sikh das was für die Moslems die Kaaba in Mekka ist. Der „goldene Tempel“ besteht in der Tat zu großen Teilen aus Gold. Die ganze Anlage ist äußerst beeindruckend. Noch viel besser ist aber die Gastfreundschaft die Reisende sofort nach der Ankunft in Amritsar entgegen gebracht wird. Vom Bahnhof gibt es einen Shuttlebus zum „Goldenen Tempel“ für den man nicht bezahlen muss. Auf dem Tempelgelände befinden sich unzählige Unterkünfte für Pilger und Reisende die ebenfalls nichts kosten. Die Menschen dort sind eigentlich alle freundlich und äußerst hilfsbereit. Es werden alle Religionen auf die gleiche weiße willkommen geheißen. An einige Regeln muss man sich natürlich schon halten so darf man (wie die meisten Tempel in Indien) den Goldenen Tempel nur Barfuss und nach Fußreinigung betreten, außerdem muss der Kopf mit einem Tuch bedeckt sein. Niemals sollte man die Fußsohlen in die Richtung des Heiligtums strecken. Für die Einhaltung dieser Regeln sorgen Sikh-Wachen mit Speeren. Insgesamt habe ich die Atmosphäre dort als sehr Entspannt wahrgenommen. Wie das aber bei Sehenswürdigkeiten in Indien so ist, ist man als großer weißer fast noch interessanter als die Sights selbst. Ich glaube seit dem Wochenende existieren in Indien unzählige Fotos von mir. Eine andere ganz tolle Sache dort, von der vielleicht der ein oder andere schon gehört hat, ist das Essen.
Auch dieses ist nämlich, na könnt ihr er erraten? – Ja genau! Es ist frei. Die Küche hat 24 Stunden am Tag offen und jeder kann dort essen. Egal ob Inder, Ausländer, Frau, Mann, Behindert oder nicht, gleich welche Religion auch wenn man gar nicht glaubt. Reich oder arm auch dies spielt keine Rolle. Es essen einfach alle dort. Die totale Gleichbehandlung. Täglich werden mehrere zehntausend Essen auf diese ausgegeben. Wie das funktioniert ist in der Tat beeindruckend. Jeder der will kann an dem Tempel einen Freiwilligendienst leisten und das tuten hunderte. Vom Manager bis zum Bettler. Das Geld für die Zutaten kommt von Spenden. Und es funktioniert!!! Das Essen ist übrigens überaus lecker. Maxi und ich haben gleich dreimal im Tempel gegessen. Mittags, abends und am Morgen unserer Abfahrt.
Ich fand es einfach toll dort!

Außer dem Tempel haben wir noch die Indisch-Pakistanische-Grenze besucht, diese ist ca. eine Autostunde von Amritsar entfernt. Wie ihr vermutlich wisst, besteht zwischen Indien und Pakistan nicht unbedingt das beste Verhältnis. An diesem Grenzübergang gibt es aber 2-mal am Tag eine gemeinsame Zeremonie, nämlich die Wachablösung. Für diese gibt es an dem Grenzübergang extra Tribünen, die auf der indischen Seite auch über voll sind. (Wenn man nicht drängeln kann lernt man es spätestens dort.) Auf der pakistanischen Seite ist das nicht ganz so voll. Es wird bei der Zeremonie viel geschrieen, dabei brüllt einer einen Ton in ein Mikro und versucht diesen so lange wie möglich zu halten am besten länger als der der es auf der anderen Seite der Grenze macht. Die Inder gehen dabei voll ab. Einbisschen zu vergleichen mit der Atmosphäre in einem deutschen Fußballstadion. Insgesamt sehr lustig zu sehn.

Ja im Groben war das unser Ausflug nach Amritsar. Die Stadt selbst hat nicht viel zu bieten. Im überfüllten Zug ging es am Sonntag 8 1/2 Stunden zurück nach Delhi.

Ach ja als Anmerkung noch, nach dem ja in Deutschland die Zeit umgestellt wurde beträgt die Zeitverschiebung nun 4 ½ Stunden vor der Zeitumstellung hat mit das besser gefallen.

Das war’s dann mal wieder von mir.
Bis zum nächsten Mal
Immanuel

Montag, 19. Oktober 2009

Video

Hallo zusammen,

Maxi hat sich dieses Wochenende die Zeit genommen und aus den Bilder unserer Rajastahn-Reise eine Slid-Show gemacht. Hier kann man sie bewundern! Viel spaß dabei.




Viele Grüße
Immanuel

Freitag, 16. Oktober 2009

Diwali

Ich wünsche euch allen ein glückliches und schönes Diwali

happy_diwali_big11


Für eine Erklärung bin ich zu faul. Wiki kann das eh besser:
Link zur Erklärung von Diwali

Sonntag, 11. Oktober 2009

11. Alltag

So mal diesmal ohne besonderen Anlass

Ich versuche mal einen Einblick in meinen Alltag zu geben, da ich schon das ein oder andere Mal danach gefragt wurde.
Also wie sieht mein Leben hier aus?
Ich stehe in der normalerweise um 6:40 Uhr auf und gehe als Erster duschen. Warmes Wasser gibt es leider nicht. Was bisher auch nicht wirklich gestört hat. Aber langsam fängt es an morgens echt eine Überwindung zu werden, sich das kalte Wasser überzuschütten. Ich weiß noch nicht, wie das im Winter werden soll. Wir haben zwar so etwas wie einen Duschkopf, aber aus dem tröpfelt das Wasser nur heraus. Daher füllen wir, wie das in Indien normal ist, einen großen Eimer mit Wasser und gießen diesen dann mit einem kleineren Eimer über uns. Worüber ich sehr glücklich bin ist, dass wir eine funktionierende westliche Toilette haben, was in Indien nicht selbstverständlich ist. Häufig gibt es nur die französischen Klos oder es wird die Notdurft am Straßenrand verrichtet. Bei den ganz armen Menschen hier werden die großen wie die kleinen Geschäfte verrichtet, wo man gerade steht. Aber ich schweife ab. In der Regel geht Maxi nach mir ins Bad, dann gehen wir zu Babus („Gastfamilie“) rüber. Da gibt es dann Frühstück, was normalerweise aus einem in der Mikrowelle warm gemachten Toast mit geschnittenen Karotten, Tomaten, Gurken und Zwiebeln so wie Marmelade und manchmal Ketchup besteht. Nach fünfzehnminütigem Frühstück heißt es dann meistens auf Clini warten, die wie fast jeden Tag zu spät dran ist. Für uns ist das kein Problem wir müssen offiziell erst um 8:30 bei der Arbeit sein. Clini aber schon um 8:00. Da wir wirklich weit ab von allem leben haben wir einen fünfzehn bis zwanzigminütigen Fußweg bis zur Bushaltestelle auch Auto-Rikschas fahren dort nur sehr wenige. Daher gehen wir gerne früher zur Arbeit und werden gefahren. Wobei man jetzt irrtümlicherweise annehmen könnte Clini fährt mit dem Auto ganz bis zur Arbeit und nimmt uns mit. Nein so ist das nicht. Sie fährt mit dem Auto bis zur Bushaltestelle, also haben wir jeden Tag die große Freude uns in einen der total überfüllten und zum Teil gefährlich anmutenden, öffentlichen Busse zu kämpfen. Die Begründung, dass sie nicht ganz zu Akshay fährt ist, es sei billiger. Nach meinem groben Überschlag beträgt die Ersparnis rund 0,15 € pro Tag also rund 10 Rupis was auch für diese Familie eigentlich nicht wirklich viel Geld ist. Zumal sie 10.000 Rupis pro Monat von uns als Miete bekommen. Wie dem aus sei, meistens sind wir dann so gegen 8:15 bei der Arbeit über die Arbeit selbst habe ich ja schon mal etwas geschrieben. Momentan muss ich mir die Arbeit regelrecht suchen, es gibt nicht so viel zu tun für mich. Daher machen wir auch mittlerweile recht pünktlich Schluss. Früher haben wir oft wesentlich länger gearbeitet. Um 13:30 gehen wir zum Essen bei Akshay. Das Essen ist dort einfach aber ganz gut, wenngleich auch sehr scharf. Ich glaube wenn ich nach dem Jahr heim komme werde ich alles als fad empfinden. Wenn wir Glück haben bekommen wir dann den Schulbus um 13:50 Uhr um dann mit Clini zusammen das letzte Stück wieder mit dem Auto zu fahren. Zuhause heißt es auch jetzt im Oktober noch erst mal raus aus der lange Hose und bequeme luftige Sachen anziehen. Zu Hause bin ich dann am Computer lese oder lerne Hindi. Nicht selten gehen wir aber auch raus und treffen uns mit jemandem, oder gehen einige Kleinigkeiten einkaufen. Hier wird es sehr früh schon dunkel, um 18:30 heißt es Licht anschalten. Das heißt wenn Strom da ist. Da wir glücklicher weise in New Delhi leben und hier auch noch in einem Teil mit relativ guter Infrastruktur ist der Strom hier zwar fast jeden Tag mal weg, aber meistens nur für Maximal 1-2 Stunden. Aber wir hatten auch schon Stormausfälle von mehr als 14 Stunden. Je heißer es ist, desto größer ist die Gefahr von Powercuts. Das liegt vor allem an den Klimaanlagen, die in solchen Momenten das Stromnetz überlasten. Ganz toll ist das natürlich für uns, da das bedeutet es gibt keinen Ventilator und ich sage euch, es ist nicht toll nachts bei 38 Grad ohne Ventilator schlafen zu müssen. In den letzte Wochen hatten wir zum Glück nur noch sehr wenige Stromausfälle. Wenn der Strom nach 18:30 ausfällt, bleibt einem eigentlich nur noch zu hoffen, dass der Akku vom Laptop möglichst lange hält und dann früh schlafen zu gehen, schließlich gibt es außer Taschenlampen und Kerzen ja kein Licht. Normalerweise gehen wir so gegen 23 Uhr schlafen + - eine Stunde.
Um mal Saft, Cola oder mal was zum Knabbern zu kaufen haben wir einen Shop ganz hier in der Nähe, in Deutschland würden wir den wohl eher als ein Kiosk bezeichnen. Supermärkte wie bei uns gibt es hier sowieso nicht und wenn, dann nur in großen Malls. Aber selbst dort kann man die Auswahl nicht mit einem Aldi oder geschweige denn mit einem Marktkauf vergleichen. Zu so einem Laden haben wir einen Fußweg von ca. 45 min oder 20 min laufen und 8 min Bus. Insgesamt werden die meisten Dinge die man so zum Leben braucht auf Märkten gekauft. Nicht nur weil da die Chance größer ist frische Waren zu bekommen, sie sind auch etwas billiger, nur die Märkte finden halt nicht immer statt.
Abendessen gab es zu Beginn unseres Aufenthaltes noch bei Babus in der Wohnung. Bini die älteste ist momentan aber in der 12 Klasse und ihre Abschlussprüfungen stehen bevor, sie muss als viel lernen und soll durch Maxi und mich nicht abgelenkt werden. Daher bekommen wir das Essen gegen 20:30 rübergebracht. Da wir keinen richtigen Tisch haben, essen wir dann auf dem Bett. Das Essen ist, wie ich vielleicht schon mal geschrieben habe, nicht soooo toll aber essbar. Seitdem ich kein Fleisch mehr hier gegessen habe geht es mit meinem Magen auch einigermaßen. Wobei ich befürchte langsam, an das Klima und das Essen wird sich mein verweichlichter westlicher Körper in dem Jahr nicht mehr 100 % gewöhnen. Was nicht heißen soll, dass es mir schlecht geht!!! Also keine Sorgen machen :) Selbst wenn, wie ich schon mal geschrieben habe um die medizinische Versorgung braucht man sich hier echt keine Sorgen zu machen.
Das ganze hört sich jetzt vielleicht schlimm an, ich weiß es nicht. Ich empfinde es jedenfalls nicht als schlimm. Ich vermisse eigentlich nichts. Vielleicht abgesehen von einem eigenen Kühlschrank hier im Apartment und einer Waschmaschine. Unsere Wäsche müssen wir nämlich jede Woche oder alle zwei Wochen von Hand selbst waschen, was einen nicht unerheblichen Aufwand bedeutet und die Wäsche wird von Mal zu Mal trotz aller Bemühungen grauer.
Vielleicht vermittelt das so eine Idee von meinem Leben hier

Also dann bis zum nächsten Mal
Immanuel

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