Sonntag, 11. Oktober 2009

11. Alltag

So mal diesmal ohne besonderen Anlass

Ich versuche mal einen Einblick in meinen Alltag zu geben, da ich schon das ein oder andere Mal danach gefragt wurde.
Also wie sieht mein Leben hier aus?
Ich stehe in der normalerweise um 6:40 Uhr auf und gehe als Erster duschen. Warmes Wasser gibt es leider nicht. Was bisher auch nicht wirklich gestört hat. Aber langsam fängt es an morgens echt eine Überwindung zu werden, sich das kalte Wasser überzuschütten. Ich weiß noch nicht, wie das im Winter werden soll. Wir haben zwar so etwas wie einen Duschkopf, aber aus dem tröpfelt das Wasser nur heraus. Daher füllen wir, wie das in Indien normal ist, einen großen Eimer mit Wasser und gießen diesen dann mit einem kleineren Eimer über uns. Worüber ich sehr glücklich bin ist, dass wir eine funktionierende westliche Toilette haben, was in Indien nicht selbstverständlich ist. Häufig gibt es nur die französischen Klos oder es wird die Notdurft am Straßenrand verrichtet. Bei den ganz armen Menschen hier werden die großen wie die kleinen Geschäfte verrichtet, wo man gerade steht. Aber ich schweife ab. In der Regel geht Maxi nach mir ins Bad, dann gehen wir zu Babus („Gastfamilie“) rüber. Da gibt es dann Frühstück, was normalerweise aus einem in der Mikrowelle warm gemachten Toast mit geschnittenen Karotten, Tomaten, Gurken und Zwiebeln so wie Marmelade und manchmal Ketchup besteht. Nach fünfzehnminütigem Frühstück heißt es dann meistens auf Clini warten, die wie fast jeden Tag zu spät dran ist. Für uns ist das kein Problem wir müssen offiziell erst um 8:30 bei der Arbeit sein. Clini aber schon um 8:00. Da wir wirklich weit ab von allem leben haben wir einen fünfzehn bis zwanzigminütigen Fußweg bis zur Bushaltestelle auch Auto-Rikschas fahren dort nur sehr wenige. Daher gehen wir gerne früher zur Arbeit und werden gefahren. Wobei man jetzt irrtümlicherweise annehmen könnte Clini fährt mit dem Auto ganz bis zur Arbeit und nimmt uns mit. Nein so ist das nicht. Sie fährt mit dem Auto bis zur Bushaltestelle, also haben wir jeden Tag die große Freude uns in einen der total überfüllten und zum Teil gefährlich anmutenden, öffentlichen Busse zu kämpfen. Die Begründung, dass sie nicht ganz zu Akshay fährt ist, es sei billiger. Nach meinem groben Überschlag beträgt die Ersparnis rund 0,15 € pro Tag also rund 10 Rupis was auch für diese Familie eigentlich nicht wirklich viel Geld ist. Zumal sie 10.000 Rupis pro Monat von uns als Miete bekommen. Wie dem aus sei, meistens sind wir dann so gegen 8:15 bei der Arbeit über die Arbeit selbst habe ich ja schon mal etwas geschrieben. Momentan muss ich mir die Arbeit regelrecht suchen, es gibt nicht so viel zu tun für mich. Daher machen wir auch mittlerweile recht pünktlich Schluss. Früher haben wir oft wesentlich länger gearbeitet. Um 13:30 gehen wir zum Essen bei Akshay. Das Essen ist dort einfach aber ganz gut, wenngleich auch sehr scharf. Ich glaube wenn ich nach dem Jahr heim komme werde ich alles als fad empfinden. Wenn wir Glück haben bekommen wir dann den Schulbus um 13:50 Uhr um dann mit Clini zusammen das letzte Stück wieder mit dem Auto zu fahren. Zuhause heißt es auch jetzt im Oktober noch erst mal raus aus der lange Hose und bequeme luftige Sachen anziehen. Zu Hause bin ich dann am Computer lese oder lerne Hindi. Nicht selten gehen wir aber auch raus und treffen uns mit jemandem, oder gehen einige Kleinigkeiten einkaufen. Hier wird es sehr früh schon dunkel, um 18:30 heißt es Licht anschalten. Das heißt wenn Strom da ist. Da wir glücklicher weise in New Delhi leben und hier auch noch in einem Teil mit relativ guter Infrastruktur ist der Strom hier zwar fast jeden Tag mal weg, aber meistens nur für Maximal 1-2 Stunden. Aber wir hatten auch schon Stormausfälle von mehr als 14 Stunden. Je heißer es ist, desto größer ist die Gefahr von Powercuts. Das liegt vor allem an den Klimaanlagen, die in solchen Momenten das Stromnetz überlasten. Ganz toll ist das natürlich für uns, da das bedeutet es gibt keinen Ventilator und ich sage euch, es ist nicht toll nachts bei 38 Grad ohne Ventilator schlafen zu müssen. In den letzte Wochen hatten wir zum Glück nur noch sehr wenige Stromausfälle. Wenn der Strom nach 18:30 ausfällt, bleibt einem eigentlich nur noch zu hoffen, dass der Akku vom Laptop möglichst lange hält und dann früh schlafen zu gehen, schließlich gibt es außer Taschenlampen und Kerzen ja kein Licht. Normalerweise gehen wir so gegen 23 Uhr schlafen + - eine Stunde.
Um mal Saft, Cola oder mal was zum Knabbern zu kaufen haben wir einen Shop ganz hier in der Nähe, in Deutschland würden wir den wohl eher als ein Kiosk bezeichnen. Supermärkte wie bei uns gibt es hier sowieso nicht und wenn, dann nur in großen Malls. Aber selbst dort kann man die Auswahl nicht mit einem Aldi oder geschweige denn mit einem Marktkauf vergleichen. Zu so einem Laden haben wir einen Fußweg von ca. 45 min oder 20 min laufen und 8 min Bus. Insgesamt werden die meisten Dinge die man so zum Leben braucht auf Märkten gekauft. Nicht nur weil da die Chance größer ist frische Waren zu bekommen, sie sind auch etwas billiger, nur die Märkte finden halt nicht immer statt.
Abendessen gab es zu Beginn unseres Aufenthaltes noch bei Babus in der Wohnung. Bini die älteste ist momentan aber in der 12 Klasse und ihre Abschlussprüfungen stehen bevor, sie muss als viel lernen und soll durch Maxi und mich nicht abgelenkt werden. Daher bekommen wir das Essen gegen 20:30 rübergebracht. Da wir keinen richtigen Tisch haben, essen wir dann auf dem Bett. Das Essen ist, wie ich vielleicht schon mal geschrieben habe, nicht soooo toll aber essbar. Seitdem ich kein Fleisch mehr hier gegessen habe geht es mit meinem Magen auch einigermaßen. Wobei ich befürchte langsam, an das Klima und das Essen wird sich mein verweichlichter westlicher Körper in dem Jahr nicht mehr 100 % gewöhnen. Was nicht heißen soll, dass es mir schlecht geht!!! Also keine Sorgen machen :) Selbst wenn, wie ich schon mal geschrieben habe um die medizinische Versorgung braucht man sich hier echt keine Sorgen zu machen.
Das ganze hört sich jetzt vielleicht schlimm an, ich weiß es nicht. Ich empfinde es jedenfalls nicht als schlimm. Ich vermisse eigentlich nichts. Vielleicht abgesehen von einem eigenen Kühlschrank hier im Apartment und einer Waschmaschine. Unsere Wäsche müssen wir nämlich jede Woche oder alle zwei Wochen von Hand selbst waschen, was einen nicht unerheblichen Aufwand bedeutet und die Wäsche wird von Mal zu Mal trotz aller Bemühungen grauer.
Vielleicht vermittelt das so eine Idee von meinem Leben hier

Also dann bis zum nächsten Mal
Immanuel

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