04. Juli

Samstag, 25. Juli 2009

4. Bericht

So ich melde mich diesmal wieder bei Zeiten. Heute habe ich wieder etwas erlebt, das ich gerne erzählen möchte. Eigentlich möchte ich ja noch viel mehr berichten, ich glaube aber, das würde sowohl für euch als auch für mich sehr anstrengend werden.

Bei Akshay Pratishthan der Schule an der ich arbeite, ist unter anderem auch ein Mann der im Department „Orthopedic and Prosthetic“ arbeitet. Ich habe mich mit ihm unterhalten (wie mit sehr vielen Leuten in der Schule), jedoch nicht sehr lange, da sein Englisch nicht gerade sehr gut ist. Er ist 28 und hat sein College-Studium der Orthopedic beendet. Er hat mich und Maxi dann eingeladen, um uns mal sein College zu zeigen. So eine Gelegenheit ließen wir uns natürlich nicht entgehen und so sind wir gestern direkt im Anschluss an die Schule zu ihm gefahren (was eine Busfahrt von über einer Stunde bedeutete. Über Busfahrten in Delhi könnte ich, glaube ich, auch einen ganzen Blogeintrag füllen.) Nach einer Besichtigung des India-Gates und unzähligen Fotos mit und ohne ihn und einigen für mich ungenießbaren Früchten, die er uns kaufte, kamen wir an „seinem“ College an. Erst hier wurde uns die vermutliche Absicht, die der junge Mann mit seiner Einladung verfolgte, klar. Er wollte wohl mit uns angeben. Nach dem Motto, schaut her, hier sind meine coolen Freunde aus Deutschland. Irgendwie kamen wir uns etwas ausgenutzt vor, wenngleich er alles für uns bezahlt hat, was für ihn ein kleines Vermögen gewesen sein muss. Sein Zimmer, das er uns unbedingt zeigen wollte und auf das er offensichtlich sehr stolz ist, ist nicht groß, recht dreckig und er muss es sich mit noch jemandem teilen. Also jedes Studentenwohnheim in Deutschland ist dagegen der pure Luxus. Er wollte auch unbedingt, dass wir bei ihm übernachten, was wir weder wollten noch so wirklich verstanden.

3. Bericht

So ich melde mich mal wieder, diesmal mit meinem ersten kleinen Kulturschockerlebnis. Maxi und ich haben gestern beschlossen ins Kino zu gehen. Am Nachmittag sagten wir unserer Gastfamilie, dass sie für uns kein Abendessen machen müssten, da es etwas später werden würde. Uns wurde von Nile (der Vertrauensperson von Maxi) ein Kino empfohlen, das mit einer Rikscha von uns aus in max. 20 min zu erreichen ist. Wir waren auch mit den anderen Freiwilligen von AFS vor einigen Tagen schon einmal dort gewesen. Auf jeden Fall war unsere Gastmutter schon entsetzt als wir sagten, dass wir abends unter der Woche ins Kino gehen wollten. Als wir dann sagten, dass wir vermutlich nicht vor 23 Uhr zu Hause sind, konnte sie es gar nicht fassen. Ihr sind förmlich die Gesichtszüge entglitten. Dann entstand eine Diskussion über die Gefährlichkeit des abendlichen Ausgehens.

Zum besseren Verständnis der Problematik noch ein kleiner Exkurs:
Die Familie bei der wir leben, ist wider Erwarten nicht Hinduistisch wie fast 90 % der Inder, sondern sehr konservativ römisch katholisch. Sie gehen jeden Sonntag zur Kirche, überall hängen kitschige Bilder von Jesus und Kreuze an der Wand. Die Familie ist außerdem nicht gerade reich und die Eltern nicht dumm aber im Gegensatz zu den beiden Kindern wenig gebildet. Also von moderner Familie kann keine Rede sein. Das größte was die beiden Kinder erlebt haben ist wohl eine Fahrt nach Kiralla (ein Staat im äußersten Süden Indiens, aus dem Clini, die Mutter, kommt). Ansonsten sind die beiden daheim oder in der Schule, beide auf einer christlichen Mädchenschule.

Maxi und ich waren bisher spätestens um 9 daheim gewesen, was nach der Meinung der Babus eigentlich schon zu spät ist, da es ja um diese Zeit schon Dunkel ist. Mr. Babu versuchte uns zunächst von der Idee abends ins Kino zu gehen abzubringen. Er meinte es wäre doch nachmittags auch genug Zeit. Als er jedoch merkte, dass wir nicht wirklich von unserem Vorhaben abzubringen waren, wollte er, dass wir wenigstens nicht so weit weg gehen. So nannte er uns ein Kino, zu dem wir schließlich zu Fuß liefen (etwas weniger als eine Stunde), was unserer Meinung wesent,lich gefährlicher sein muss als mit einer Rikscha zu fahren. Als wir das Haus verließen um uns auf den Weg zu machen hörten wir hinter uns eine sehr l,autstarke Diskussion auf Hindi, die wir leider nicht verstanden. Clini schien mit dem von ihrem Mann ausgehandelten Kompromiss nicht wirklich zu frieden zu sein. Wir hatten dann ein etwas schlechtes Gewissen. In Indien ist es einfach so, dass man die Eltern auch mit 27 noch um Erlaubnis bittet um etwas tun zu dürfen und meistens wird diese Entscheidung dann auch respektiert. Das Familienverständnis ist hier ein anderes und da wir als ein Teil der Familie (als Kinder) angesehen werden, werden wir eben auch wie Kinder behandelt, wenngleich wir beide volljährig sind.

Der zweite Teil des Kulturschocks war das Kino selbst bzw. die Mall, in der sich das Kino befindet. Sie ist wie gesagt nicht sehr weit von uns entfernt. So einen Prunk und eine Pracht findet man selbst in Europa kaum. Ich kam mir vor wie in einem 5 Sterne Hotel. Es war einfach überwältigend. Das eigentlich Beeindruckende daran ist aber, dass keine 500 m entfernt ein Slum ist, wie man ihn aus „Slumdock Millionär“ kennt und die Kühe laufen vor dem Eingang über die Straße. An dieser Stelle, ich kann es einfach nicht anders sagen, treffen zwei völlig verschiedene Welten aufeinander. Insgesamt kann man sagen, dass die Schere zwischen Arm und Reich wirklich extrem auseinander klafft. Und was wirkliche materielle Armut bedeutet, konnte ich mir in Deutschland nicht so wirklich vorstellen. So langsam bekomme ich aber eine Ahnung davon.

Wie gesagt mein erster kleiner Kulturschock :)

Mittwoch, 15. Juli 2009

2. Die ersten Tage

So ich bin mal wieder im Internetcafe. Leider hat es immer noch nicht geklappt mit meinem Laptop ins Internet zu kommen. Ich habe momentan auch so viel um die Ohren. Ich hoffe, dass es in den nächsten Tagen klappt. Dann werde ich auch mal einige Bilder hochladen.

Wir haben in der Zwischenzeit wieder einiges erlebt. So waren wir am Freitag mit den Leuten von AFS (die Organisation mit der ich hier bin), die in Delhi leben, bei einem Umweltprojekt, in dem wir in Neu Delhi Bäume gepflanzt haben. Was bei der Hitze eine Tortur ist. Gestern hatten wir z.B. 44 Grad. Dazu kommt noch die Schwüle. Meistens geht es, aber es gibt Tage an denen es unerträglich ist. Außerdem waren wir am Freitag in der Stadt und haben eine Sightseeingtour gemacht. So waren wir bei Humanyun einem Mausulem der Mogule (Das Vorbild für den Tah Mahal). Danach waren wir alle zusammen in einem der größten Sikh-Tempel. Sikh ist eine Religion, eine Mischung aus Hinduismus und Islam. Für diejenigen, die sich dafür interessieren hier ein Link: ………. Die Sikh sind leicht an ihrem Turban und den Messern am Gürtel zu erkennen. Sie bilden die dritt- oder viertgrößte Religionsgemeinschaft in Indien. In diesem Tempel kochen und essen Menschen aller Klassen zusammen. Auch wir haben dort „gekocht“, wir haben Jabatti gemacht eine Art Fladenbrot, wovon auch eines der Bilder zeugt. Auch am Connaught Place waren wir. Er bildet sozusagen das Zentrum von Neu Delhi. Er bildet eine der wenigen Stellen in Delhi, an denen ich nicht angestarrt werde, wie ein Außerirdischer. Von uns zu Hause fährt man mit Bus und U-Bahn ca. eine Stunde bis dort hin. Die U-Bahn ist Wahnsinn. Gebaut wurde sie in nur neun Jahren. Sie ist so sauber und luxuriös wie man es in einem 5-Sterne Hotel erwarten kann. Kommt man jedoch aus der U-Bahn raus steht man sofort wieder in Mitten der Armut. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft in Delhi extrem auseinander. Auf der einen Seite gibt es Slums wie man sie aus Filmen kennt. Auf der anderen Seite Einkaufsläden in denen man Klamotten für umgerechnet 400 € oder mehr kaufen kann. Die Slums kann man hier an allen Ecken sehen. Meist sind sie nicht sehr groß und bilden eine Art geschlossenes System. Es sind ganz enge Gassen zwischen kreuz und quer gebauten Hütten, fast wie ein Labyrinth. Bisher habe ich mich aber noch nicht getraut davon Bilder zu machen.
Mit uns in Indien angekommen sind auch Schüler aus den USA, Italien und Neuseeland. Die berichteten, dass in ihren Schulen die Kinder geschlagen werden und das nicht gerade zimperlich. Ich bin sehr froh, dass dies an der Schule, an der ich bin, nicht der Fall ist. Bisher habe ich noch nicht viel vom Unterricht mitbekommen, aber ich glaube die Lehrer sind bei weitem nicht so gut ausgebildet wie bei uns. Heute war ich mit den Kindern und Lehrern auf einem Ausflug. Wir waren an einem Monument der Mogule, es war sehr beeindruckend, wie ich fand. Leider wurde den Kindern dazu nichts erzählt. Erst saßen wir 45 min auf einer Wiese vor dem Monument dann sind wir einmal außen herum gelaufen und dann ging es auch schon wieder heim. Mir wurde da schon wesendlich mehr erzählt. Die Lehrer verhalten sich den Kindern gegenüber ganz offensichtlich auch völlig anders, als Beispielsweise mir und Maxi gegenüber. Einer der Lehrer hat mich sogar zu sich nach Hause eingeladen. Vielleicht werde ich das Angebot dieses oder nächstes Wochenende wahrnehmen.

Leider muss ich jetzt dann schon wieder Schluss machen. Ich versuche mich so bald wie möglich wieder zu melden.
Viele Grüße aus dem schwülen heißen Delhi.

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