3. Bericht
So ich melde mich mal wieder, diesmal mit meinem ersten kleinen Kulturschockerlebnis. Maxi und ich haben gestern beschlossen ins Kino zu gehen. Am Nachmittag sagten wir unserer Gastfamilie, dass sie für uns kein Abendessen machen müssten, da es etwas später werden würde. Uns wurde von Nile (der Vertrauensperson von Maxi) ein Kino empfohlen, das mit einer Rikscha von uns aus in max. 20 min zu erreichen ist. Wir waren auch mit den anderen Freiwilligen von AFS vor einigen Tagen schon einmal dort gewesen. Auf jeden Fall war unsere Gastmutter schon entsetzt als wir sagten, dass wir abends unter der Woche ins Kino gehen wollten. Als wir dann sagten, dass wir vermutlich nicht vor 23 Uhr zu Hause sind, konnte sie es gar nicht fassen. Ihr sind förmlich die Gesichtszüge entglitten. Dann entstand eine Diskussion über die Gefährlichkeit des abendlichen Ausgehens.
Zum besseren Verständnis der Problematik noch ein kleiner Exkurs:
Die Familie bei der wir leben, ist wider Erwarten nicht Hinduistisch wie fast 90 % der Inder, sondern sehr konservativ römisch katholisch. Sie gehen jeden Sonntag zur Kirche, überall hängen kitschige Bilder von Jesus und Kreuze an der Wand. Die Familie ist außerdem nicht gerade reich und die Eltern nicht dumm aber im Gegensatz zu den beiden Kindern wenig gebildet. Also von moderner Familie kann keine Rede sein. Das größte was die beiden Kinder erlebt haben ist wohl eine Fahrt nach Kiralla (ein Staat im äußersten Süden Indiens, aus dem Clini, die Mutter, kommt). Ansonsten sind die beiden daheim oder in der Schule, beide auf einer christlichen Mädchenschule.
Maxi und ich waren bisher spätestens um 9 daheim gewesen, was nach der Meinung der Babus eigentlich schon zu spät ist, da es ja um diese Zeit schon Dunkel ist. Mr. Babu versuchte uns zunächst von der Idee abends ins Kino zu gehen abzubringen. Er meinte es wäre doch nachmittags auch genug Zeit. Als er jedoch merkte, dass wir nicht wirklich von unserem Vorhaben abzubringen waren, wollte er, dass wir wenigstens nicht so weit weg gehen. So nannte er uns ein Kino, zu dem wir schließlich zu Fuß liefen (etwas weniger als eine Stunde), was unserer Meinung wesent,lich gefährlicher sein muss als mit einer Rikscha zu fahren. Als wir das Haus verließen um uns auf den Weg zu machen hörten wir hinter uns eine sehr l,autstarke Diskussion auf Hindi, die wir leider nicht verstanden. Clini schien mit dem von ihrem Mann ausgehandelten Kompromiss nicht wirklich zu frieden zu sein. Wir hatten dann ein etwas schlechtes Gewissen. In Indien ist es einfach so, dass man die Eltern auch mit 27 noch um Erlaubnis bittet um etwas tun zu dürfen und meistens wird diese Entscheidung dann auch respektiert. Das Familienverständnis ist hier ein anderes und da wir als ein Teil der Familie (als Kinder) angesehen werden, werden wir eben auch wie Kinder behandelt, wenngleich wir beide volljährig sind.
Der zweite Teil des Kulturschocks war das Kino selbst bzw. die Mall, in der sich das Kino befindet. Sie ist wie gesagt nicht sehr weit von uns entfernt. So einen Prunk und eine Pracht findet man selbst in Europa kaum. Ich kam mir vor wie in einem 5 Sterne Hotel. Es war einfach überwältigend. Das eigentlich Beeindruckende daran ist aber, dass keine 500 m entfernt ein Slum ist, wie man ihn aus „Slumdock Millionär“ kennt und die Kühe laufen vor dem Eingang über die Straße. An dieser Stelle, ich kann es einfach nicht anders sagen, treffen zwei völlig verschiedene Welten aufeinander. Insgesamt kann man sagen, dass die Schere zwischen Arm und Reich wirklich extrem auseinander klafft. Und was wirkliche materielle Armut bedeutet, konnte ich mir in Deutschland nicht so wirklich vorstellen. So langsam bekomme ich aber eine Ahnung davon.
Wie gesagt mein erster kleiner Kulturschock :)
Zum besseren Verständnis der Problematik noch ein kleiner Exkurs:
Die Familie bei der wir leben, ist wider Erwarten nicht Hinduistisch wie fast 90 % der Inder, sondern sehr konservativ römisch katholisch. Sie gehen jeden Sonntag zur Kirche, überall hängen kitschige Bilder von Jesus und Kreuze an der Wand. Die Familie ist außerdem nicht gerade reich und die Eltern nicht dumm aber im Gegensatz zu den beiden Kindern wenig gebildet. Also von moderner Familie kann keine Rede sein. Das größte was die beiden Kinder erlebt haben ist wohl eine Fahrt nach Kiralla (ein Staat im äußersten Süden Indiens, aus dem Clini, die Mutter, kommt). Ansonsten sind die beiden daheim oder in der Schule, beide auf einer christlichen Mädchenschule.
Maxi und ich waren bisher spätestens um 9 daheim gewesen, was nach der Meinung der Babus eigentlich schon zu spät ist, da es ja um diese Zeit schon Dunkel ist. Mr. Babu versuchte uns zunächst von der Idee abends ins Kino zu gehen abzubringen. Er meinte es wäre doch nachmittags auch genug Zeit. Als er jedoch merkte, dass wir nicht wirklich von unserem Vorhaben abzubringen waren, wollte er, dass wir wenigstens nicht so weit weg gehen. So nannte er uns ein Kino, zu dem wir schließlich zu Fuß liefen (etwas weniger als eine Stunde), was unserer Meinung wesent,lich gefährlicher sein muss als mit einer Rikscha zu fahren. Als wir das Haus verließen um uns auf den Weg zu machen hörten wir hinter uns eine sehr l,autstarke Diskussion auf Hindi, die wir leider nicht verstanden. Clini schien mit dem von ihrem Mann ausgehandelten Kompromiss nicht wirklich zu frieden zu sein. Wir hatten dann ein etwas schlechtes Gewissen. In Indien ist es einfach so, dass man die Eltern auch mit 27 noch um Erlaubnis bittet um etwas tun zu dürfen und meistens wird diese Entscheidung dann auch respektiert. Das Familienverständnis ist hier ein anderes und da wir als ein Teil der Familie (als Kinder) angesehen werden, werden wir eben auch wie Kinder behandelt, wenngleich wir beide volljährig sind.
Der zweite Teil des Kulturschocks war das Kino selbst bzw. die Mall, in der sich das Kino befindet. Sie ist wie gesagt nicht sehr weit von uns entfernt. So einen Prunk und eine Pracht findet man selbst in Europa kaum. Ich kam mir vor wie in einem 5 Sterne Hotel. Es war einfach überwältigend. Das eigentlich Beeindruckende daran ist aber, dass keine 500 m entfernt ein Slum ist, wie man ihn aus „Slumdock Millionär“ kennt und die Kühe laufen vor dem Eingang über die Straße. An dieser Stelle, ich kann es einfach nicht anders sagen, treffen zwei völlig verschiedene Welten aufeinander. Insgesamt kann man sagen, dass die Schere zwischen Arm und Reich wirklich extrem auseinander klafft. Und was wirkliche materielle Armut bedeutet, konnte ich mir in Deutschland nicht so wirklich vorstellen. So langsam bekomme ich aber eine Ahnung davon.
Wie gesagt mein erster kleiner Kulturschock :)
Immanuel_G - 25. Jul, 17:02
